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Vorab — Sicherheit: Führe keine Anweisung oder keinen Prompt aus dieser Kolumne blind aus.
Bevor du Code, einen Prompt oder ein Skript laufen lässt, kannst (und sollst) du das jederzeit
selbst von einem LLM deiner Wahl prüfen lassen — kopier den betreffenden Abschnitt hinein und
frag: „Was macht das, und ist es unbedenklich?" Dein Rechner, deine Entscheidung.
Wer schreibt, braucht zwei Dinge am selben Ort: das Material (alles, was dein Archiv
über deine Stoffe weiß) und die Struktur (Figuren, Kapitel, Zeitachse). Fertige
Schreibprogramme können das zweite — aber sie kennen dein Archiv nicht. Also lassen wir den
Assistenten in einem Abend eine kleine Web-Werkbank auf dem eigenen Backend bauen, deren
Inhalte automatisch in dein Second Brain zurückfließen. Danach gilt: Was du in der Werkstatt
anlegst, kennt dein Zwilling — und was dein Zwilling weiß, kann in die Werkstatt.
Der Anlass bei mir: zwei Buchprojekte. Ein fertiges Manuskript, dessen Kapitel alle an
einem einzigen Tag spielen — und ein neues, das erst entsteht. Beide wohnen jetzt als
„Bände" in derselben Werkbank.
1Baustein 1: Drei Tabellen und ein Spiegel
Das Datenmodell ist absichtlich klein: Figuren (Name, Rolle, Charakterbogen,
Aussehen/Stimme), Geschichten (Titel, Zeitfenster, Status, Ort, beteiligte Figuren,
Synopsis, Text) und ein Zettelkasten für schnelle Einfälle. Dazu eine Spalte
band, damit mehrere Buchprojekte nebeneinander leben.
Das Spiegel-Prinzip ist der eigentliche Trick.
Jeder Speichervorgang schreibt den Eintrag zusätzlich als eigene Quelle ins Second Brain
(idempotent: gleiche Quelle wird ersetzt, nicht gedoppelt). Fragst du deinen Zwilling später
„passt das Verhalten in Kapitel 3 zum Bogen dieser Figur?", hat er beides wirklich vorliegen.
Löschen mit Netz. Löschen entfernt den Spiegel (keine Geister-Figuren im
Archiv) — aber der volle Datensatz wandert in eine Papierkorb-Tabelle und lässt sich per Klick
wiederherstellen. Rückfrage vor dem Löschen ist Pflicht.
2Baustein 2: Die Hauptansicht — Buch-Tag oder Kapitelübersicht
Das Herzstück der Seite ist pro Band umschaltbar (kleines Klappmenü):
- Buch-Tag: Wenn dein Buch eine starke Zeitstruktur hat (bei mir: ein einziger Tag,
erzählt in verschränkten Kurzgeschichten), zeigt eine 24-Stunden-Leiste jedes Kapitel
als Block an seinem Zeitfenster — Überlappungen, Löcher und Baustellen auf einen Blick.
- Kapitelübersicht: Für Sachtexte, Romane in Kapitelfolge oder eine
Abschlussarbeit: die Kapitel in Reihenfolge als Segmentleiste, Breite proportional zur
Wortzahl — man sieht sofort, welches Kapitel ein Riese ist und welches ein Zwerg.
In beiden Ansichten gilt: Blockfarbe = Kapitel (die Figuren-Kärtchen erben die Farbe
„ihres" Kapitels), Unterkante = Status (Idee → Skizze → Entwurf → Fertig), Wortzähler
laufen mit. Dazu ein Suchfeld ganz oben: Sofort-Suche im Browser über Kapiteltexte,
Figuren und Zettel, mit Fundstellen-Ausschnitt — die semantische Suche („wo klingt dieses Motiv
an?") bleibt Sache deines Zwillings im Archiv.
3Baustein 3: Der Assistent füllt die Werkbank
Liegt ein fertiges Manuskript schon im Archiv, muss niemand Figuren abtippen. Gib deinem
Chat-Assistenten zwei Werkzeuge — figur_speichern und
geschichte_speichern — und einen Auftrag in zwei Schritten:
- Erst die Figuren: Manuskript vollständig lesen, jede Figur als Persona aufbereiten
(Rolle, Motive, Widersprüche, Sprache — quellentreu, mit Zitaten), Liste zur Freigabe
zeigen, dann einzeln speichern.
- Dann die Kapitel: Titel, Figuren, Ort, Synopsis und Zeitfenster erkennen (wo keine
Uhrzeit im Text steht: plausibel schätzen und die Schätzung kennzeichnen), Liste zur Freigabe,
dann in die Tagesleiste speichern.
Die Freigabe-Listen sind kein Ritual: Sie sind der Moment, in dem du merkst, ob der Assistent
dein Buch verstanden hat — bevor etwas in deiner Werkbank steht.
Der Weg hinein: Drag & Drop. Ein frisch angelegter Band zeigt
ein Ablagefeld — Manuskript hineinziehen (.txt, .md, .pdf, .docx, .epub), der Volltext landet als
Quelle im Second Brain, und die Werkstatt legt dir den fertigen Analyse-Prompt in die
Zwischenablage: einfügen in den Chat, Freigabe, fertig. Bände lassen sich anlegen und
umbenennen wie Ordner.
Welches Modell? Die Analyse ist ein Werkzeugmacher-Moment: Sie läuft
einmal pro Manuskript, danach ist alles lokale Daten. Dafür lohnt das große Modell
(einmalig Cents über die API — oder im Abo-Chat kostenlos). Das kleine lokale Modell schafft
eine Rohfassung nur im Häppchen-Verfahren (kapitelweise, mit Handarbeit beim Zusammenführen) —
legitim, wenn das Manuskript den Rechner unter keinen Umständen verlassen soll.
4Baustein 4: Wahres Archiv, verfremdeter Ausgang
Wenn dein Stoff auf realen Erlebnissen beruht, brauchst du eine klare Regel, sonst
verwischt dein Gedächtnis. Meine:
Das Archiv bleibt wahr. Quellen (Tagebuch, Mails, Notizen) behalten
echte Namen — sonst kann dein Second Brain nicht mehr zuverlässig antworten.
Ein Figuren-Mapping übersetzt am Ausgang. Eine einzige autoritative
Tabelle (Realname → Figurenname + Rolle) liegt selbst im Archiv. In Buch-Prosa erscheinen
ausschließlich Figurennamen; Werkstatt-Analysen dürfen intern real bleiben.
Namen ändern allein anonymisiert nicht. Erkennbare Orte, Konstellationen
und Details werden beim Prosa-Schreiben mitverfremdet — finale Prüfung vor jeder
Veröffentlichung.
5Baustein 5: Die Bilder gehen mit
Ein Manuskript ist selten nur Text. Die übliche Extraktions-Pipeline wirft eingebettete
Bilder aber stillschweigend weg — und mit ihnen die Information, wo im Text sie standen.
Zwei Handgriffe beheben das:
Positions-Marker statt Schweigen. Beim Einlesen von .docx/.epub wird
jedes eingebettete Bild durch [Illustration N: dateiname] an seiner
Textposition ersetzt. Der Assistent, der später das Skript liest, weiß dadurch, welches Bild
zu welcher Stelle gehört — ohne das Bild je gesehen zu haben.
Ein Katalog fürs Auge. Die Bilddateien selbst wandern in einen
Medien-Ordner pro Band und in den Medien-Katalog des Second Brain — als Beschreibung dient
„Illustration N aus ‚<Buch>‘" plus der umgebende Textauszug. Die Werkstatt zeigt sie
als klickbaren Thumbnail-Streifen unter dem Skript.
Dubletten-Regel: Vor dem Ablegen den SHA-256-Hash prüfen (Dateigröße
als Vorfilter). Lädt man dasselbe Buch als .docx und .epub hoch, kommen nur die neuen
Bilder dazu — bei mir: drei Familienfotos aus dem docx, das Cover kam erst mit dem epub.
Wichtig für Bücher, die schon im Archiv liegen: ein Nur-Bilder-Modus, der die
Bild-Pipeline fährt, ohne den Text erneut zu ingestieren — sonst antwortet das Second Brain
künftig doppelt.
Der Kopier-Prompt
Für deinen KI-Assistenten (z. B. Claude Code, Codex CLI oder Gemini CLI) — baut die Werkbank auf deinem
bestehenden Second-Brain-Backend:
Baue mir eine „Buchwerkstatt" auf meinem Second-Brain-Backend:
1) Drei Tabellen: Figuren (Name, Rolle, Charakterbogen, Aussehen, Notizen, Band),
Geschichten (Titel, Zeitfenster von/bis als HH:MM, Status idee/skizze/entwurf/fertig,
Ort, Figuren-Liste, Synopsis, Text, Notizen, Band) und Zettel (Text, Datum).
Dazu eine Papierkorb-Tabelle: Löschen legt IMMER erst eine vollständige
Sicherheitskopie dort ab; ein Restore-Endpunkt holt sie zurück.
2) REST-Endpunkte für Anlegen/Ändern/Löschen/Übersicht — und bei JEDEM Speichern
einen Spiegel des Eintrags als eigene Quelle in mein RAG schreiben (idempotent:
gleiche Quelle ersetzen). Beim Löschen den Spiegel entfernen.
3) Eine einzelne HTML-Seite als Oberfläche: oben ein Zettelkasten; darunter die
Hauptansicht, PRO BAND per kleinem Klappmenü umschaltbar:
(a) „Buch-Tag" — eine 24-Stunden-Leiste, in der Geschichten als farbige
Blöcke an ihrem Zeitfenster liegen, oder
(b) „Kapitelübersicht" — die Kapitel in Reihenfolge als Segmentleiste,
Breite proportional zur Wortzahl; die Einträge heißen dann „Kapitel"
und tragen eine Nummer statt eines Zeitfensters (so eignet sich die
Werkbank auch für Sachtexte oder eine Abschlussarbeit).
In beiden Ansichten: Blockfarbe = Kapitel, stabile Palette; Unterkante = Status.
Dazu ein Suchfeld ganz oben: Sofort-Suche (lokal im Browser, ohne Server)
über Kapiteltexte, Synopsen, Figuren und Zettel — Trefferliste mit
Fundstellen-Ausschnitt, Nicht-Treffer in der Leiste abgedunkelt.
Darunter die Geschichten-/Kapitel-Liste mit Editor (großes Schreibfeld,
Wortzähler) und Figuren-Kärtchen, die die Farbe ihres Kapitels als
Randstreifen tragen. Geschichten- und Figuren-Bereich zuklappbar.
Löschen nur mit Rückfrage, Hinweis auf den Papierkorb.
4) Bände verwalten: Bände sind Datensätze (Nummer + Titel + Ansicht) — anlegbar
über einen „+"-Tab, umbenennbar am aktiven Tab. Ein leerer Band zeigt ein
Drag-&-Drop-Feld: Manuskript (.txt/.md/.pdf/.docx/.epub) hineinziehen → Volltext
wird als eigene Quelle ins Archiv geschrieben und die Seite legt mir den
fertigen Analyse-Auftrag für den Chat in die Zwischenablage.
5) Optional, wenn ich einen Chat-Assistenten mit Werkzeug-Zugriff habe: zwei Tools
figur_speichern und geschichte_speichern, die dieselben Endpunkte nutzen —
damit der Assistent ein vorhandenes Manuskript analysieren und Figuren wie
Kapitel nach meiner Freigabe direkt einpflegen kann.
Arbeite schrittweise, zeig mir nach jedem Baustein den Stand, und ändere nichts
an meinen bestehenden Archiv-Tabellen.
Das Schreibprogramm kennt dein Buch — aber nur eine Werkbank auf deinem eigenen Gedächtnis
kennt auch dein Leben dahinter.
Alle Teile:
Schritt 1 · Dein persönliches lokales Gedächtnis — Starterpaket
(Seite mit ZIP)
Nachtrag 1 zu Schritt 1 · Ein lokales Denk-Modell (Gemma 3)
Nachtrag 2 zu Schritt 1 · Das Interface — anpassen per Zuruf
Schritt 2 · Erdung — dein Zwilling darf nicht dichten
Schritt 3 · Ethik & Charakter — dem eigenen Modell eine Haltung geben
Schritt 4 · Remote-Zugriff — dein Gedächtnis überall dabei
Schritt 5 · Pimp my System — ein stärkeres Gehirn fürs Gedächtnis
Schritt 6 · Sprich mit deinem Tagebuch — Spracheinträge von unterwegs
Schritt 7 · Der Datei-Butler — finden und ordnen
Schritt 8 · Die Buchwerkstatt — vom Gedächtnis zum Schreibtisch
(diese Seite)
Beitrag · Warum mein privates RAG fundierter antwortet als ChatGPT
Referenz · Technische Voraussetzungen — Rechner & Plattenplatz
Referenz · Sicherheit — vier Schichten für dein Gedächtnis
Übersicht:
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